Übersichtskarte

Karneval, Reisen, Geburtstag, Brillenprojekt und Alles außer Langeweile

Freitag, 29.04.2016

Hola Amigos! Vorab, das wird wahrscheinlich der ausführlichste und erlebnisreichste Blogeintrag,  den ich bisher geschrieben habe. Denn in den letzten Wochen ist wirklich außerordentlich viel Interessantes passiert. Der Karneval in Oruro, die zwei Wochen des Reisens und Erlebens mit meinem Kumpel Lasse, mein Geburtstag und das Brillenprojekt sorgten für Abwechslung und für alles andere als Langeweile.

Beginnend mit dem traditionellen Karneval in Oruro, dem größten und wohl beeindruckendsten des spanisch-sprachigen Südamerikas, den ich nur mit Nico und Ben (einem englischen Freund von uns) verbrachte, denn leider konnten alle anderen Freiwilligen aufgrund von wieder einmal anstehenden Straßenblockaden nicht anreisen. Oruro ist etwa drei Autostunden süd-östlich von La Paz entfernt. Los ging es für uns drei bereits um vier Uhr morgens, damit wir pünktlich zu Beginn der ersten Umzüge auf unseren Tribünenplätzen sitzen und das Spektakel einfach nur bewundern konnten. Ich bin zwar wirklich kein Karneval-Experte und -Fanatiker, was mir jedoch direkt aufgefallen ist, dass man im Gegensatz zum deutschen Karneval sich nicht selber verkleidet, sondern entweder einer von den Tänzern und Tänzerinnen ist, die in prunkvollen Trachten auf einer abgesperrten und vorgegeben Strecke tanzen, oder eben ein jubelnder „Fan“ der an der Seite platznimmt. Damit den Zuschauern nicht zu langweilig wird - das kann schonmal passieren, schließlich dauern die Umzüge täglich ca. 16 Stunden über drei Tage hinweg - werden an jeder Ecke so genannte Schaumsprays und vorgefertigte Wasserbomben verkauft, mit denen man sich dann gegenseitig „Schlachten“ liefert. Eine weitere Besonderheit ist, dass es während des verlängerten Karnevalswochenendes nicht verboten ist auf Straßen und öffentlichen Plätzen Alkohol zu konsumieren. Und was passiert wohl, wenn man einem nicht „trinkfesten“ Volk ein ganzes, langes Wochenende die Ekstase erlaubt, es ist ein reines Saufgelage. Deshalb haben wir uns auch entschlossen bereits am ersten Karnevalstag nach Oruro zu fahren, damit wir die anderen Tage dann wieder in Sicherheit zuhause verbringen können. Die Karnevalsumzüge sind in viele Ober- und Untergruppen aufgeteilt, die sich nach den unterschiedlichen Regionen und Volksstämmen Boliviens aufteilen. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Tanzstile, Kostüme und Musikrichtungen stark von einander. Was mir am besten gefallen hat ist wirklich schwer zu sagen, denn ich sehe mich kaum in der Lage die unterschiedlichen Varianten exakt zu unterscheiden, mit Gewissheit kann ich jedoch behaupten, dass mir der besonders fröhlich-aufmüpfige und lebendige Tanzstil „Corporales“ gut gefallen hat. 

Wir drei Jungs verbrachten nur einen Tag in Oruro und nahmen dann am Abend den Bus wieder zurück in Richtung La Paz. Zu Karnevalszeiten ist ein Apartment oder Hostel in Oruro leider kaum bezahlbar, da es eine Preissteigerung um fast 300 Prozent gibt. Ja, auf ganzjährige Sicht ist der Karneval die Haupteinnahmequelle für die Bevölkerung Oruros. Um vielleicht noch einmal zu verdeutlichen, wie bedeutsam der bolivianische Karneval für das eigene Volk ist, ist zu sagen, dass  jedes Jahr internationale Größen auf Kosten der Veranstalter eingeladen werden. Dieses Jahr bewunderte der Schauspieler Edward Norton die Umzüge an der Seite des bolivianischen Präsidenten und Vizepräsidenten. 

Zurück in La Paz musste ich noch vier Tage arbeiten, bis ich dann am Sonntag den 14. Februar um 3:00 Uhr nachts meinen Kumpel Lasse vom Flughafen abholen durfte. Lasse und ich hatten bereits im voraus ein genaues Wunschprogramm festgelegt, welches auch eins zu eins so in Erfüllung ging, wie wir es uns vorgestellt haben. Ein kleines Wunder, dass wir wirklich jeden Flug, jede Busfahrt und jede Tour genau so antreten konnten wie wir es vorhatten und das dabei auch noch das Wetter perfekt mitgespielt hat. 

Nachdem Lasse gut in La Paz gelandet ist ging es direkt um 4:30 nachts einen fettigen Burger von der Straße essen. Diese Probe hat er gut ohne jegliche Magenbeschwerden etc. bestanden. Am nächsten Tag, haben Nico und ich Lasse in der Stadt herumgeführt und die ersten Teleferico-Seilbahnfahrten angetreten. Glücklicherweise litt Lasse nicht besonders unter der dünnen Höhenluft. Am Montag, während ich meinen letzten Arbeitstag für die nächsten zwei Wochen hatte, stand für Lasse die Death Road Mountainbike-Tour an, die ihm besonders gut gefallen hat und die er zum Glück ohne Unfall überstanden hat. Abends heil wieder zurück ging es für meinen Kumpel und mich direkt ans Sachenpacken, denn am Dienstagmorgen wollten Lasse und ich sofort weiter in den Amazonas-Regenwald nach Rurrenabque fliegen. Sowohl die Tour, aber vor allem der Hin- als auch der Rückflug waren das reinste Abenteuer. Noch nie bin ich in so einer kleinen Maschine geflogen. 16 Mann, keine Cabincrew, kaputte Lüftungen, eine nicht vorhandene Cockpit-Tür und zwei sich ständig verkämpfende Piloten machten den eh schon kurzen 50min Flug zu einem wahren Abenteuer. Schließlich waren wir echt froh als wir gut im Dschungel gelandet sind. Ich finde die Beschreibung des Terminals durch einen Italiener, der bereits seit drei Jahren auf Weltreise ist trifft es ganz gut, wenn er sagt, dass „das mit Abstand kleinste Terminal ist, dass er je auf der ganzen Welt gesehen hat“. Er muss es ja wissen. Die Amazonastour war wirklich sehr lohnenswert. Wir sahen dutzende Affen, meterlange Krokodile, unfassbar schöne Vögel, haben versucht Piranhas zu angeln, die uns aber nur das Fleisch von den Angeln gegessen haben, entdeckten eine kleine Baby-Anaconda und sind mit rosa Floßdelfinen geschwommen. Außerdem haben Lasse und ich für drei Tage auf einem äußerst niedrigem Lebensstandard gelebt, was einem ja auch mal sehr gut tut. 

Nach der Regenwald-Tour sind Lasse und ich über Sucre, die bedruckenden Silbermienen in Potosi, einer ehemaligen spanischen Kolonialstadt und der ehemals reichsten Stadt der Welt bis zum Salar de Uyuni im Bus gereist. Für mich persönlich war der Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Erde, das Highlight unserer Tour. Nicht umsonst hat hier dieses Jahr die Rallye Dakar stattgefunden, denn schließlich ist die Kulisse weltweit einzigartig. Unter strahlend blauem Himmel findet man soweit das Auge reicht, eine weise mondartige Landschaft vor. Da der Februar in die Regenzeit fällt, hatten wir sogar das Glück, dass auf der weißen Salzkruste des Salars eine dünne Wasserschicht lag und somit eine Art tausende Quadratmeter großer Spiegel entstanden ist. Ich hoffe, dass ich einige Bilder anfügen kann. Die Bilder sind wirklich einzigartig geworden. 

Meinen 19. Geburtstag feierten wir gemütlich bei uns zuhause in La Paz. Erfreulicherweise kamen mich Miri, Lena und Angie aus Sucre besuchen, sodass wir insgesamt mit der Freundin von Nico eine Siebener-Runde waren. Am Geburtstagsmorgen breiteten mir Nico und Sucko, unser Kaffee-Besitzer-Freund ein leckeres Frühstück vor. Für alle die mal nach La Paz kommen sollten: Die „Torta de las tres leches“ von Elis müsst ihr unbedingt mal probieren. 

Nach einigen ruhigen Tagen begann für Nico und mich das Ein-Dollar-Brillenprojekt. Vorstellen könnt ihr euch das wie einen simplen Sehtest mit einer Tafel, sowohl um die Patienten auf Weit-, als auch auf Kurzsichtigkeit zu kontrollieren und dem anschließenden direkten Anfertigen bzw. Einklippen der Brillengläser in die Modelle. Für Schüler unter 18 Jahren sind die Augenvermessung und die Brille gratis, für erwachsene Personen kosten die Brillen umgerechnet zehn Dollar. Somit muss rechnerisch jede zehnte Person volljährig sein und bezahlt dementsprechend für neun Schüler die Brillen mit. Ein wirklich hilfreiches und ambitioniertes Projekt. Längerfristig ist geplant, dass die in La Paz stationierten Freiwilligen ein eigenes „Consultorio“, also eine eigene kleine Sprechstunde oder Augen-Praxis aufmachen. 

Die komplette vergangene Woche durfte ich beim Brillenprojekt in Camiri, einem kleinen Dörfchen im tropischen Tiefland an der Grenze zu Paraguay mithelfen. Es war eine sehr interessante Erfahrung auch mal für einen gewissen Zeitraum dem Städtealltag zu entfliehen und das Leben auf dem „Land“ kennenzulernen. Glücklicherweise war die Kampagne nicht die Anstrengendste, wodurch ich relativ viel in und um Camiri erkunden konnte. Camiri hat definitiv seine Reize, das angenehme tropische Klima, die Ruhe, die gute Luft und vieles mehr, jedoch war ich wirklich froh, dass ich zuerst nach Santa Cruz und dann nach La Paz zurückfahren konnte, denn ein ganzes Jahr, wär es mir dort wahrscheinlich ein bisschen zu langweilig. 

Den letzten Freitag Abend verbrachte ich noch in Santa Cruz, denn zufälligerweise fand an diesem Abend ein Open-Air-Festival statt, bei dem die beiden weltweit besten DJ´s der Welt, Dimitri Vegas und Like Mike, auflegten. Zwar ließen sich die beiden bis 1:30 nachts Zeit, bis sie endlich ans Mischpult traten, das Konzert war jedoch jeden Cent der 30€ wert. Wirklich umwerfend und ohrenbetäubend gute Stimmung machten die beiden Brüder aus Miami, was sicherlich nicht zu letzt an dem warmen lateinamerikanischen Flair und Taktgefühl der Bolivianer lag. 

Nach nun nur einer Woche des Arbeitens steht schon wieder ein verlängertes Wochenende an, denn obwohl der 1. Mai dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, beschloß die bolivianische Regierung, dass dann der darauffolgende Montag ein einfacher Feiertag ist. Für Nico und ich mich geht es nach Tarija, einer kleinen Stadt im Süden Boliviens, an der Grenze zu Argentinien. Tarija gilt als die Hochburg des Weines. Mal sehen ob der wirklich so viel hergibt, wie alle versprechen.

Zum Schluss möchte ich noch fünf Web-Links an meinen Blog anheften. Netterweise hat Lasse nämlich unsere komplette zweiwöchige Reise auf Video festgehalten und im Nachhinein zu schönen Videos zusammengeschnitten. Viel Spaß beim gucken und noch einmal vielen Dank an Lasse. :)

1: https://youtu.be/fd5J8GGS5M0 (Anreise und Sightseeing in La Paz)

2: https://youtu.be/YWiESbW5tsk (Death Road und Amazonas Tour 1)

3: https://youtu.be/6y3P_Coig8s (Amazonas Tour 2)

4: https://youtu.be/oT1JzujbJS0 (Sucre und Silbermienen in Potosi)

5: https://youtu.be/Qr8W0xXWA4I (Salar de Uyuni)

 

Wie ich die Weihnachtszeit und Silvester erlebt habe, viel Besuch und das Zwischenbereitungsseminar in Sucre

Mittwoch, 27.01.2016

Hello Leute! Nachdem nun seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder ein gewisser Rhythmus in meinen Arbeitsalltag eingetreten ist, möchte ich nun die Chance nutzen und euch über meinen persönlichen Jahresabschluss und Neujahresbeginn berichten.

Sowohl über Nicos Geburtstag, die Geburt meiner kleinen Nichte am 20. Dezember als auch über Weihnachten und Neujahr hatte Nico, bzw. Nico und ich, Besuch von Claudia, der Mama von Nico und Hannah, seiner Schwester. 

Da in diesem Zeitraum unsere Einsatzstelle, das Gesundheitszentrum, „leider“ geschlossen war, „durften“ wir zwei Wochen nicht arbeiten und konnten uns so ganz auf unsere Guide-Tätigkeit konzentrieren. Den Großteil der Zeit haben wir zu viert in La Paz verbracht und somit versucht Hannah und Claudia Nicos und mein Leben hier bestmöglich aufzuzeigen. Gespickt war die Zeit mit kleineren Ausflügen in und um La Paz, wie beispielsweise das Valle de la Luna, Tiahuanaco und einige Museen. Fast immer war volles Programm, von dem ich mich den ein oder anderen Tag jedoch auch mal ausgeklinkt habe und so die Zeit alleine zuhause genießen konnte. Wie ich schon häufiger erzählt habe, bekam ich von der herannahenden Weihnachtszeit fast überhaupt nichts zu spüren. Vielleicht war es dem sommerlichen Wetter geschuldet, vielleicht aber auch den vielen fehlenden Traditionen, wie z.B. dem traditionellen Weihnachtsbaumschmücken. Letztendlich wurde Weihnachten aber doch ein schönes, fröhliches und irgendwie auch familiäres Fest. 

Angefangen mit einem üppig-reichhaltigem Frühstück, was wir in der Form lange nicht mehr so hatten. Zu verdanken war das der Family von Nico, die netterweise fast einen ganzen Koffer voller Lebensmittel mitgebracht hat, die es hier entweder nicht zu erhalten gibt oder eben nur sehr überteuert. Selbst ein ganzes fünf Liter Bierfass war dabei :)

Danach haben wir den Tag erst einmal so hinverstreifen lassen und die Zeit für diverse schöne Skype-Telefonate genutzt. Vielen Dank an alle, die sich für mich Zeit genommen haben! Nachmittags sind wir gemeinsam in das uns bereits bekannte Picana-Restaurant gegangen um, wie der Name schon sagt, Picana zu essen. Picana ist das traditionelle Weihnachtsgericht der Bolivianer. Vorstellen könnt ihr euch das wie eine Art sehr würziger Suppe, mit viel Gemüse und drei verschiedenen Fleischsorten (meistens Schwein, Hähnchen und Rind). Picana ist wirklich mein absolutes Lieblingsgericht hier in Bolivien. 

Da unsere Kochmöglichkeiten nur sehr begrenzt sind, waren wir wirklich dankbar, dass wir von einem entfernten bolivianischen Freund namens Alan von Nicos Schwester abends zu einem weihnachtlichen Abendessen eingeladen wurden. Ausgerichtet wurde das ganze bei Alan Tante und wen wunderts es gab lecker Picana zu essen, was mich nicht sonderlich verärgert hat ;)

Nach mehreren Stunden des Plauderns machten wir uns dann schon leicht ermüdet gegen Mitternacht auf zur Hauptkirche an der Plaza San Francisco. Der Gottesdienst war total anders aber auch wirklich harmonisch. Gewöhnungsbedürftig war das ständige Mitklatschen zu den Liedern und vor allem das Ende, als der Pastor von seiner Audienz einen übersetzt „großen Applaus für das Christkind“ forderte und der Pöbel schlichtweg jubelte und johlte. 

Da Mama und Flav der Mutter von Nico einige kleine Geschenke für mich mitgegeben haben, viel somit auch die Bescherung nicht flach. 

In den darauffolgenden Tagen bekamen wir immer mal wieder Besuch von Mitfreiwilligen und auch von einigen sehr netten „Selbstzahlern“ (im Prinzip genau so Freiwillige wie wir, die aber für einen kürzeren Zeitraum hierbleiben und deshalb nicht staatlich gefördert werden), die wir neu kennenlernen durften. Da La Paz ein gutes Ausgangszentrum für Touren nach Peru oder beispielsweise den Titicacasee ist, streckte sich die Besuchsphase für ungefähr zwei bis drei Wochen hin, was aber wirklich echt eine sehr schöne Zeit war.

So konnten wir auch Silvester mit vielen Mitfreiwilligen von uns feiern, zwar ohne viel „pyrotechnisches Geknalle“, aber doch sehr spaßig und ausgiebig. 

Am 3. Januar haben wir dann Nicos Mama und Nicos Schwester am Flughafen verabschiedet und uns somit wieder ein wenig auf die Arbeit eingestellt. Mit dem Ziel des Zwischenseminars vor Augen und den vielen schönen Aktivitäten, die wir mit unseren deutschen Freunden hier in La Paz unternahmen vergingen die zwei Arbeitswochen wie im Flug.

So ging es am Abend des 15. Januars im Nachtbus auf nach Sucre, in das Hostel, in dem wir den ersten Monat unser Bolivienzeit aufgrund des Visums und des Sprachkurses verbracht haben. 

 

Das Zurückkehren nach Sucre empfand ich als wirklich sehr angenehm. Das Hostel, das Ambiente, das Wetter und selbst die Mahlzeiten sind dort wirklich ein Traum. Alles war noch genau so wie damals. Nun sind wir jedoch nicht zum Spaß nach Sucre gefahren, schließlich stand das Zwischenbereitungsseminar unter der Leitung unseres Hauptverantwortlichen Max Steiners an. Natürlich war die Woche auch mit viel Arbeit und sehr wenig Schlaf verbunden, aber alles in allem haben wir sehr viel gelernt und es war schön nach einigen Monaten mal wieder die komplette Gruppe und all seine Freunde um sich zu haben. 

Auf dem Programm stand ein Wirtschaftsplanspiel, einige Vorträge über unsere Arbeit, die Geschichte und Entwicklung Boliviens, die Inka-Ära, das Koka und die Entstehung von Kokain, die Politik des Presidenten Evo Morales, ein Selbstverteidigungskurs und ein Ausflug in einen Vulkankrater…

Wenn ich hier jetzt alles Gelernte aufzählen würde, würde der Blogeintrag sicherlich einen Umfang annehmen, der den Blogeinträgen meiner Schwester ähnelt. ;) Deshalb möchte ich euch nur einen eindrucksvollen Fakt mitteilen der mir irgendwie besonders hängen geblieben ist.

Es gibt weltweit nur vier Länder in denen die Koka-Pflanze wächst. Aufgezählt in der Masse der Koka-Pflanzen sind das Kolumbien, Peru, Bolivien und Ecuador. Zur wirklich komplizierten Herstellung von Kokain braucht man unteranderem Mikrowellen. Komischerweise ist Bolivien der viertgrößte Mikrowellenimporteur der Welt. Auf einen Bolivianern kommen im Durchschnitt ZEHN Mikrowellen!!! Ob das Zufall ist?! Ich glaube nicht ;)

Nun sind Nico und ich wieder zurück in La Paz und gehen unserer Arbeit nach. Für mich noch zwei Wochen und für Nico noch drei Wochen, dann kommt auch schon mein Kumpel Lasse und eine Woche später die Freundin von Nico.

Ebenso ist vorher auch noch Karneval, der Karneval in Bolivien ist der größte des spanischsprachigen Südamerikas. Alle Freiwilligen werden sich gemeinsam in Oruro, der Karneval Hochburg, treffen und dort einen Tag durchfeiern.

Ich freue mich wirklich auf das was kommt und glaube, dass das Rumreisen mit Lasse bestimmt großartig wird.

 

Bis dahin macht es gut, 

euer Basti.

Die Besteigung des 6088m Huayna Potosi und ein knapper vorweihnachtlicher Bericht

Dienstag, 22.12.2015

Hallo Familie, Freunde und Interessierte! Nun habe ich hier auf meinem Blog seit einiger Zeit nichts mehr von mir hören lassen, da ich wirklich viel um die Ohren hatte und, da muss ich ganz ehrlich sein, auch ein bisschen faul war. 

Mein letzter Stand war, dass ich euch zuerst von der Besteigung des 6088m hohen Huayna Potosi berichten wollte. Der schneebedeckte Berg, der über La Paz thront und der, so sagt man, ein vergleichsweise „einfach“ zu besteigender 6000er sei. Dies stellte sich, wie ihr gleich lesen werdet als ein absoluter Irrtum heraus, so zumindest von uns empfunden. Es war mit großem Abstand, dass härteste was ich je gemacht habe. Sowohl psychisch, als auch physisch. Hut ab an alle Bergsteiger! Die dreitägige Tour, die wir über unseren Mentor Don Victor für umgerechnet 130€ gebucht haben, begann an einem Samstag morgen, mit dem anprobieren von Helm, Handschuhen, Schuhen mitsamt Spikes und der restlichen kälteresistenten Schutzkleidung. Hochmotiviert und mit jede Menge Kokablättern und Schokolade als Energielieferanten im Gepäck ging es vorerst in einer Gruppe von insgesamt 7 Personen und 3 Guides zur ersten Schutzhütte, welche auf 4700 Metern gelegen ist. 4700 Meter - ein Klacks! ;-) Der erste Tag wurde nur dem Training an einer Gletscherwand zum Erlernen der richtigen Schritttechniken und Sicherung gewidmet. Während diesem sehr spaßigem Unterfangen wurde auch schon ordentlich Teambuilding betrieben, schließlich ist Vertrauen und Verlässlichkeit bei so einer Tour wirklich nicht zu vernachlässigen. 

Unser Team bestand aus:

  1. Dem englischsprachigem Kanadier Derek, 24 Jahre, abgeschlossenes Philosophiestudium und auf Durchreise nach Chile, was im späten zum Verhängnis wurde, denn, so sagte er selber, war der Huayna Potosi „nur ein Event zwischen Vielen“. Er war nicht voll bei der Sache. Mit Derek haben Nico und ich uns super verstanden, er musste jedoch leider auf ca. 5400m wegen massiven Problemen mit der Höhe abbrechen. 
  2. Einer französischsprachigen Kanadierin, ohne jegliche Englischkenntnisse, so um die 35 Jahre, deren Name ich leider vergessen oder vielleicht auch verdrängt habe. Sie war der Tiefpunkt der Gruppe, die Negativität in Person. Schon beim Begrüßen im Bus erzählte sie, dass sie vor Aufregung die letzten drei Nächte nicht mehr schlafen konnte (an dieser Stelle gehen Grüße an meine liebe Schwester Lotti raus) und sich ihre Chancen deshalb nur auf ca. 5% belaufen oben anzukommen. Wen wunderts, sie brach die Tour als aller erste ab.
  3. Der kleinen, drahtigen Peruanerin Eliza, Ende 20, die mich mit ihrer Zielstrebigkeit und Entschlossenheit immer wieder überrascht hat. Eliza ist wirklich ein äußerst aufgeschlossenes, interessiertes und lustiges Mädel, die auch am Ende des dritten Tages überglücklich-strahlend oben auf der Spitze des Huayna Potosis stand. 
  4. Nikki, eine junge Texanerin, die normalerweise als Englisch-, Sport-, und Theaterlehrerin an Internationalen Schulen weltweit arbeitet und ständig das Abenteuer sucht. Anfangs empfand ich sie als ein wenig sehr selbstüberzeugt, von dem was sie nicht schon alles Tolles gemacht und erlebt hat. Dieses Bild änderte sich aber schnell. Am Ende der Tour haben Nico und ich uns so gut mit ihr verstanden, dass wir das Erreichen der Bergspitze noch gemütlich in La Paz mit ein oder zwei Bieren begossen haben. 
  5. Tino, ein alleinstehender Potsdamer, so um die 40 Jahre, der für vier Wochen auf Südamerikatrip ist und vor Übermotivation nur so strotz. So ist er am zweiten Tag selbst den Guides immer vorweg gelaufen, bis er nichtmehr wusste wo lang es geht um dann stehen zu bleiben und auf die ganze, geschlossen laufende Gruppe zu warten. Nichtsdestotrotz ein etwas komischer, aber liebenswerter Weggefährte. 
  6. Nico.
  7. Ich.

Am zweiten Tag ging es für uns alle nach einem gemütlichen Frühstück, dem Zusammenpacken der Kleidung und schließlich noch einer kleinen Stärkung zum Mittag in Richtung Camp Rock, der letzten und höchstgelegen Schutzhütte am Huayna Potosi. Um 17:30 angekommen baten uns unsere Guides auch direkt nach dem Abendessen ist Bett zu gehen, schließlich werden wir um Mitternacht aufstehen müssen und eine Stunde später den letzten und wohl anstrengendsten siebenstündigen Aufstieg beginnen. 

Als mein Handywecker um 00:00 klingelte hatte ich das Gefühl, so gut wie gar kein Auge zubekommen zu haben. Um der Trägheit, die allgemein in der ganzen Gruppe spürbar war, entgegenzuwirken, fingen wir gemeinschaftlich an Koka-Tee zutrinken und auch einige Koka-Blätter so zu kauen. Was das Beilegen der Müdigkeit anbetrifft wirkt Koka wahre Wunder.

Die Koka-Blätter vom Speichel ganz humid, ging es für Nico, unseren Bergführer Victor und mich als aller erste Gruppe raus. Ein wirklich unheimliches Unterfangen wenn die Spikes und der Eispickel unter einem im Tiefschnee und Eis immer mal wieder ein Stückchen wegrutschen. Dass es bis auf den ca. ein Quadratmeter großen Lichtkegel der eigenen Kopflampe ansonsten stockfinster war, war nicht besonders förderlich. 

Victor, Nico und ich legten ungefähr alle 45 Minuten eine zwei- bis dreiminütige Verschnaufpause ein um etwas zu trinken oder sich einfach mal in den Schnee fallen zu lassen und die Beine einwenig lang zu machen. 

Während des siebenstündigen Aufstiegs hatte ich an drei Punkten Todesangst, die ich so in dieser Form vorher noch nie gespürt hatte. Das erste mal war so ca. um 3:00 nachts bei einem mittelschweren Aufstieg. Während ich mich auf die neuerlernte Schritttechnik konzentrierte, wurde es bei uns in der Nahe auf einmal sehr, sehr laut. Es hörte sich in etwa so an, als wenn eine Monsterwelle in deiner unmittelbaren Nähe donnernd auf den Strand trifft und bricht. 

Es war aber keine Wasserwelle, es war eine Lawine, welche ca. 50-100m Luftlinie von unserem Standpunkt aus den Berg herrunterdonnerte. Wie nahe sie wirklich war konnten wir nicht wirklich erkennen, schließlich war es äußerst Finster, an der aufsteckenden Reaktion unseres Bergführers Victor zu erkennen, konnte sie aber nicht besonders weit weg gewesen sein. Das war echt ein erfurchteinflößendes Erlebnis, was einen der Winzigkeit und Machtlosigkeit des Menschen bewusst werden lässt. 

Das zweite Mal Angst bekam ich, bei dem Gedanken daran, dass ich die zweieinhalb Meter breite und ca. 70 Meter tiefe Eisschlucht vor mir überspringen sollte. Zwar waren Victor, Nico und ich untereinander gesichert und ich hatte auch Vertrauen in meine Weggefährten, ob sie aber eine stürzende 80 Kilo Last so einfach auffangen könnten, war ich mir nicht so sicher. Letztlich war das Überspringen aber kein Problem und folgende, kleinere Eisschluchten belächelten wir nur. 

Das dritte und letzte Mal Todesangst verspürte ich, nachdem wir bereits 6 Stunden überwiegend bergauf gewandert sind und sich so langsam die Sonne durch die dicken Wolken zeigte. Der letzte Anstieg von ungefähr 80 Höhenmetern, der da vor uns lag, war absolut furchteinflößend und brutal. Nico und ich hatten schon vorher sehr oft mit starker Übelkeit und Schwindel, verursacht durch die wirklich dünne Höhenluft, zu kämpfen und spielten dementsprechend auch nur zu oft mit dem Gedanken aufzugeben, als wir dann aber Victor fragten ob wir da, an dieser Eiswand, wirklich hoch müssten und wie lange es wohl noch bis zur Spitze dauern würde sagte er ganz trocken: „Si si, mas o menos una hora y media!“

Für uns war es nicht zu glauben, dass wir für die Besteigung, der so greifbaren Spitze des Huayna Potosis wirklich noch eineinhalb Stunden brauchen würden und das, an dieser gruseligen Eiswand. 

Ein letztes Mal Koka nachlegend traten wir die Hürde an und wussten sofort warum es noch so lange dauern würde. Es war unmöglich mehr als zehn Schritte ohne Pause zu machen. Verstärkt würde unsere Schlaffheit durch das stetige Wegrutschen und kräftezehrende Wiederaufstehen an der steilen Eiswand. Schnell wurden wir von der ersten Nachfolgergruppe eingeholt. Nicos und meine These diesbezüglich ist, dass wir ja bereits 6 Stunden als aller erste Gruppe durch den Tiefschnee gestapft sind und immer wieder von neuem einen befestigten Weg suchen mussten, wohingegen die uns verfolgenden Gruppen sozusagen in unsere Fußstapfen treten konnten. Nach der ersten halben Stunde an der Eiswand wurde mir beim Runterschauen schon sehr schwindelig. Da ein Überholungsmanöver an der Wand nicht ganz unriskant sei, beschlossen Nico und ich nicht abzubrechen sondern ganz langsam Schritt für Schritt unserem Ziel immer näher zukommen. Die Angst hatte somit einen nicht zu vernachlässigen Anteil an dem Erreichen der Spitze. 

Nach den härtesten und längsten eineinhalb Stunden meines Lebens sind wir dann aber endlich schweißgebadet oben auf 6088m angekommen und konnten einen unfassbaren Sonnenaufgang genießen. Anders als erwartet war die Spitze auch wirklich eine Spitze und nicht ein Plateau. So mussten wir uns oben ebenfalls sichern um nicht der Gefahr des Abstürzen ausgesetzt zu sein. Zwar hatte ich oben ordentlich mit der Höhenkrankheit zu kämpfen, letztlich überwiegt aber das überwältig-befriedigende Gefühl es geschafft zu haben. Die beeindruckende Sicht und der Gedanke 6088m über dem Meeresspiegel zu stehen lässt einen alle Sorgen und Probleme dieser Welt vergessen und schenkt einem somit einige komplett gedankenlose Augenblicke nur mit sich selber. Ich glaube, dass ich ein wenig gespürt habe, was Extrem-Bergsteiger und auch Tiefseetaucher mit einer Art „Sucht nach der Leere“ beschreiben. 

Den nach 30 Minuten auf der Spitze folgenden vierstündigen Abstieg, werde ich nicht so ausführen wie den Aufstieg, wobei zu sagen ist, dass er nicht weniger kräftezehrend und ungefährlich war. 

Einfach nur von Glücksgefühlen überwältigt viel ich nach dem Abstieg im Camp Rock auf mein Nachlager und zitterte vor Schwäche am ganzen Körper. Da unsere Bergführer meinten, dass man auf 5200m nicht richtig akklimatisieren kann, ging es leider sofort weiter zur ersten Schutzhütte und von dort aus mit dem Minibus wieder zurück nach La Paz. Ich hätte nie erwartet, dass ich einmal sagen werde, wie schön sauerstoffreich die Luft hier in La Paz doch ist. Es war ein Traum wieder zurück zu sein; es war ein Traum oben gewesen zu sein. 

Auf die Frage ob ich so eine Tour noch einmal machen werde kann ich nur Jein antworten. Auf der einen Seite war es das mit Abstand Härteste und Zerfressendste was ich je gemacht habe, diese Erfahrung wünscht man Keinem, auf der anderen Seite war es auch ein unfassbar erfüllendes und prägendes Ereignis, was ich mit Sicherheit nie vergessen werde. 

In der Zeit zwischen der Besteigung des Huayna Potosis und heute ist nicht besonders viel erzählenswertes geschehen. Nico und ich haben viel gearbeitet und sind sehr froh, dass für uns nun die zweiwöchigen Ferien angebrochen haben. Am vergangen Samstag, Nicos 20. Geburtstag, ist auch die Mutter Claudia und die Schwester Hannah von Nico gekommen. Die Weihnachtstage werden wir gemeinsam in La Paz und Umgebung verbringen und entgegen meiner Mitfreiwilligen nicht besonders viel und weit reisen. Die großen Ziele wie Salat de Uyuni, Copacabana, Maccu Pichu und Rurrenabaque hebe ich mir für die Zeit auf wenn mein Kumpel Lasse im Februar kommt bzw. wenn Mama und Flav im Juni kommen. 

Dieses Jahr wird es für mich ein sehr besonderes und neues Weihnachten, dass erste mal nicht zuhause, das erste mal ohne Weihnachtsgans und das erste mal nicht mit meiner leiblichen Familie (Nico, ja du bist mein Bruder und Teil der Familie, aber du weißt schon wie es gemeint ist). ;)

Ich freue mich auf die vielen Umstellung und bin selber gespannt was die Weihnachtstage so bringen werden, eines ist sicher in solchen Zeit lernt man Familie und Heimat besonders schätzten!

Zum Schluss noch zwei Ankündigungen: Leider wurde mir vor zwei Wochen auf dem Rückweg von der Arbeit mein Handy geklaut, weswegen ich jetzt nur noch bei Facebook und via E-Mail erreichbar bin. Ich habe mich erstmal dazu entschlossen mir kein neues Handy zu kaufen, denn ich empfinde es als äußert angenehm auch mal einige Zeit nicht ständig erreichbar zu sein und der Sucht zu entfliehen. 

Ebenso kann ich überglücklich verkünden, dass ich am 20.12.2015 Onkel einer kleinen, gesunden Nichte geworden bin! Ein zuckersüßes Ding. Ich freue mich sehr für meinen Bruder und seine Freundin und sehne mich nach der ersten persönlichen Begegnung im Juli 2016. 

 

Eine fröhliche Weihnachtszeit wünschend,

euer Basti

  Am ersten Tag Camp Rock in den Wolken Ich an der Eiswand Da hat die Gruppe unten links noch was vor sich Der letzte Aufstieg Unser Bergführer Victor Verschnaufpause auf der Spitze Tino, Nikky, Eliza, Nico und ich

 

 

Death-Road, die gefährlichste Straße der Welt und der Feiertag „Todos Santos“, der Aymara

Freitag, 06.11.2015

Eine der touristischen Hauptattraktionen für La Paz Besucher ist eine Mountainbike-Tour auf der „Death Road“ oder auch dem „Camino de la Muerte“. Der ehemals, an Todesfällen gemessen, gefährlichsten Straße der Welt! Die Straße beginnt auf einer Höhe von ca. 4700m N.N. und verläuft dann über einen 70km langen, überwiegend nicht asphaltierten Serpentinenweg bis in die Yungas, welche auf ca. 800m N.N. liegen. Ein Trip zwischen zwei Klimazonen. Dem trockenen und kaltem Hochland (Altiplano) und den warm-feuchten Tropen (tropicos).

Nico und ich beschlossen diesen Tagestrip am letzten Oktoberwochenende in Angriff zu nehmen.

Nach einem kleinen, üppigen Frühstück mit Toast, Butter, Marmelade, Obst und einem ziemlich guten Kakao, ging es gestärkt um 8:00 mit einem Minibus, mitsamt den Mountainbikes auf dem Dach, los auf unsere zweistündige Autofahrt bis zum Ausgangspunkt der Tour. Angekommen, wurde unsere Gruppe von 15 „Touris“ von den drei sehr sympathischen Guides mit Kleidung, Schutz-Protektoren und Helmen versorgt ehe wir schließlich noch über Gefahren, Tricks und den Ablauf der Tour unterrichtet wurden. 

Solange wir uns nicht wie Verrückte verhielten, immer auf der Seite des Hangs fahren würden (Autos haben das Wandrecht) und Bescheid geben, wenn wir jemanden überholen, sei das ganze „relativ“ ungefährlich. Auch wurden wir darauf hingewiesen, dass wir Geschwindigkeiten von 75km/h erreichen werden und wenn wir wollen, sogar noch ein bisschen mehr rauskitzeln können, sofern wir uns flach über den Lenker lehnen. 

Die erste Hälfte der Tour, war zwar die deutlich kältere, aber dafür weniger anstrengende und umso schnellere Tour. Auf einer sehr gut asphaltierten Straße, mit ausladenden Kurven, ging es zweieinhalb Stunden bergab. Die Landschaft dieser Klimazone erinnerte mich stark an die Landschaft der Villa Skyfall, des gleichnamigen James Bond Films. Immer wieder durch Foto-, Trink- und Essenspausen unterbrochen verging die Zeit wie im Flug. 

Die zweite Hälfte der Tour war der gefährlichere, anstrengendere und krackseligere Teil. Ich war äußerst froh, dass ich mit meinem Papa schonmal eine Downhilltour im Goslar gemacht habe und so von Ihm einige Basics beigebracht bekommen habe. Das Gesäß muss fast auf dem Hinterreifen schleifen, nur ca. 35% der Vorderbremskraft benutzen und die Füße in den Kurven ungefähr auf gleicher Höhe ausbalancieren. Über Stock und Stein, unter Wasserfällen und zwischen 100m tiefen Schluchten ging es meist mit Geschwindigkeiten von um die 50km/h Richtung unseres Zieldorfes. 

Ca. 15km vor Ankunft verkeilte sich in einer scharfen Kurve mein Tretpedal, sodass ich schnellstmöglich runterbremsen musste, um auf den letzten Guide mitsamt seinem Werkzeugrucksack zu warten. Nach einigen gekonnten Drehungen des Schraubenschlüsseln an vermeintlich willkürlichen Scharnieren und Schrauben am Pedal, konnte ich meine Tour aber ohne weitere Zwischenfälle fortsetzen.

Im Dorf angelangt, erwartete uns zu großer Freude ein leckeres Buffet mit Allem was der Herz begehrte und auch ein zwei große Pacena-Bierflaschen, die wir genüsslich mit zwei argentinischen und einem mexikanischen Tourkollegen teilten. Nach der Speisung erfrischteren wir uns noch kurz in dem angrenzenden Fluss- bzw. Naturbad um dann mit einigen, durch die vielen Erschütterungen verursachten Handgelenksschmerzen und Blasen den Heimweg anzutreten. Auf der Heimfahrt schliefen wir wie Babys.

Fazit: Die Death-Road - Ein äußerst gefährliches aber unvergesslich-abenteurliches Erlebnis. 

 

Letztes Wochenende war das religiöse Wochenende „Todos los Santos“ was übersetzt so viel heißt wie „Tage der Toten/Heiligen“ oder eben "Allerheiligen". Dies ist eins der wichtigsten religiösen Feste, das es neben Weihnachten beispielsweise, überhaupt in Bolivien für die Aymarakultur gibt. Zu diesem Fest wurden wir von Don Nico, dem Conductor unserer Arbeit, in sein Dorf eingeladen. 

Das 500 Seelen Dorf heißt Ancoraimes und liegt am östlichen Ufer das Titicacasees. Nach drei Stunden Fahrt in Ancoraimes angekommen, empfing Don Nico uns mit seiner ganzen Familie auf dem eigenen Kartoffelfeld. Gerade noch gruben die zwei familieneigenen Ochsen das Feld um - maschinell? Fehlanzeige! - und die älteste Tochter molk eine der beiden Kühe per Hand, so wurde uns auch schon ein leckeres Begrüßungsfrühstück angeboten. Kartoffeln, Chuno (ähnlich der Kartoffel), Mais, Stinte, Tortilla und eine leckere Knoblauchsoße haben wir dankend angenommen. Nachdem wir ausgiebig im familiären Rahmen geplaudert haben und frisches Wasser aus einer Quelle getrunken haben, ging es für die Männer zum Holzhacken. Schließlich sollte am Nachmittag mit insgesamt 25kg Mehl, Brot im hauseigenen Steinofen gebacken werden. Genau das Brotbacken ist die wohl wichtigste Tradition und Geste an „Todos Santos“. Den Brot ist, so sagte man uns, das universelle Nahrungsmittel, das alle Verstorbenen gerne mögen. Das frisch gebackene Anis-Brot brachten wir am Nachmittag auf den Dorffriedhof, um es, zusammen mit Blumen, Zuckerrohr und anderen Getränken und Nahrungsmitteln, die die Toten gern hatten, am Grab abzulegen. Zuckerrohr ähnelt Bambusstangen und dient den Toten als Stütze, wenn sie von dem Himmeln aus zurück auf die Erde kommen. Schließlich ist das ein schwerer, kräfteraubender Akt - so sagt man. 

Auf dem Friedhof wurden wir von unterschiedlichsten Familien darum gebeten, für ihre verstorbenen Angehörigen zu beten. Ein stilles Vaterunser auf deutsch reichte hierbei völlig aus. Nach jedem Mal beten wurde uns ein kleiner Schnaps angeboten und viel zu viel Brot, Popcorn und andere kalorienreiche Snacks geschenkt. Ich sage euch, Nico und ich haben immer noch drei Tüten von inzwischen viel zu hartem Brot bei uns in der Küche stehen. 

Die größte kulturelle Differenz besteht meiner Meinung nach in dem Umgang mit dem Tod. „Todos Santos“ ist ein fröhliches, familiäres Fest, ein Fest bei dem nicht (sichtlich) getraut wird sondern viel mehr gegeben, geschenkt und gedacht wird. Wann würde in Deutschland schonmal auf einem Friedhof Musik gespielt, getanzt und getrunken werden?! Man kann sich Vieles von der Kultur der Aymara abgucken und eventuell auch aneignen. Der Umgang mit den Verstorbenen ist eine von dieses Sachen.

 

Morgen früh geht es für Nico und mich zum Huayna Potosi, einem 6100m N.N. hohen Berg (zum Vergleich der Mont Blanc, der höchste Berg Europas, zählt nur 4800m N.N.), den wir in drei Tagen mit der Unterstützung eines erfahrenen Bergführers besteigen wollen. 

Über die hoffentlich erfolgreiche Besteigung werde ich euch nächstes Mal berichten.

Beste Grüße, auch von Nico, euer Basti!

Unsere Gruppe Fix und Fertig danach mit Augustin, Augustin und Christian Nur die erste Hälfte   Titicacasee Don Nico beim Arbeiten

Eine wirtschaftspolitische Analyse Boliviens unseres IJFD-Verantwortlichen Max Steiner

Sonntag, 25.10.2015

Was wir Analysten hier in Bolivien eigentlich schon immer vermutet haben, ist nun aber schneller eingetreten:

Das anstehende Volks-Referendum, ob Staatspraesident Evo Morales und sein Vize Alvaro Garcias Linares fuer eine, fuer zwei weitere Amtszeiten oder gar fuer immer wiedergewaehlt werden sollten?Das braucht wie in jedem Land eine Verfassungsaenderung. Also wie? 

Die gueltige Verfassung Boliviens sieht dazu vor, dass mit 2/3-Mehrheit das Parlament einen Vorschlag verabschieden kann, der dann innert Monatsfrist vom Verfassungsgericht geprueft werden muss; erst anschliessend wird zur Volksabstimmung aufgerufen, welche dann im ganz Land mit einfachem Mehr entscheidet, den neuen Verfassungstext anzunehmen oder abzulehnen. Genau diese Voraussetzungen sind zurzeit gegeben, als dass die Opposition ueber weniger als einen Drittel der Stimmen von “diputados” und Senatoren (Laenderkammer) verfuegt und die moralische Legitimierung durch einen Ruf nach Evo von der nationalen Dachorganisation der Sozialbewegungen Boliviens ausging. Diese ueberliess es dem Parlament nur noch zu entscheiden, ob 1, 2 oder unendliche Wiederwahl.

Die Vernunft der MAS, der Partei Evo’s hat nun gesiegt und vor wenigen Tagen wurde der entsprechende Entwurf “mit einmalig zusaetzlichen 5 Amtsjahren fuer Praesident/Vize” nach heftiger, verbaler Gegenwehr der Abgeordneten/Senatoren um Rubens Costas, Doria Medina und Tito Quirroga, als wichtigste Oppostitionsvertreter, mit gegen 70 % klar angenommen.

Was nun aber auffaellt, ist die ausgezeichnete Orchestrierung der dazu benoetigten Schritte, viel mehr noch, das stimmige mediale Umfeld und die Sensibilisierung der Bevoelkerung.

Alles begann mit einem beeindruckenden Papstbesuch anfangs Juli, der die intelektuelle Naehe des Oberhauptes der katholischen Kirche Franziskus zu Evo nicht nur bestaetigte, sondern auch in vielen seiner Aesserungen, Reden und Gesten voll die Zustimmung manifestierte und dies auch von einem Millionpublikum am Fernsehen so gesehen wurde.

Dann kam es noch staatsmaennischer, als dass Evo’s Vorstoss vor dem Internationalen Gerichtshof, mit Sitz in Den Haag, Niederlande zur Frage von Verhandlungen zu einem Bolivianischen Meereszugang, von diesem grundsaetzlich positiv entgegengenommen wurde und sich die hoechsten Richter dieser Erde fuer dazu zustaendig erklaerten. Dies war nach einer ueber 150 jaehrigen Demuetigung, verlorener Schlachten und riesiger Landverluste (als Vergleich: ueber ¼ der Flaeche Deutschlands wurde Bolivien von Chile im Salpeter-Pazifik Krieg 1879-84 entrissen)     und nun der aller erste Erfolg gegen den Erzfeind im Westen. … Das wurde hier aber richtig mit neuer “Meeres-Fahne”, Fanfaren und pathetischen Reden gefeiert – mit Evo als grossem Held!

War da dann nicht auch schon gerade ein Referendum?

Richtig, im September stimmten die Departamentos (Bundeslaender) der Taeler und des Altiplanos ueber ihre neuen Autonomie-Statuten ab und alle lehnten diese deutlich ab. Was war geschehen: Rechtlich sehr kompliziert waren die Leute einfach ueberfordert, ungenuegend informiert und dann wurde es umgehend zum “Abwatschen” aller schlechter Regierungsarbeit und Korruptionsfaelle genutzt – “so denen haben wir nun einen Denkzettel verpasst!”… aber eigentlich ohne direkte Auswirkung auf die aktuelle Regierung: einfach nur, dass foederalistisch - regionale Aufgabenzuteilungen deutlich nach hinten geschoben wurden.

Gut orchestriert sind nun auch zeitlich die naechsten Schritte:

Bis Ende November sollten alle formellen Probleme ausgeraeumt und die Bewilligung vom Verfassungsgericht vorliegen, so dass dann gegen Ende Februar 2016 abgestimmt werden kann. Bereits haben sich Pro- und Kontra-Kampagnen gebildet und wie wenn Bolivien nichts wichtigers zu tun haette, stuerzen sich alle in einen eigentlich vorgezognenen Wahlkampf. Der aber keiner ist, da ja eben nur ueber die grundsaetzliche Frage der Anzahl Amtszeiten zu entscheiden sein wird.

Die persoenliche Auseinandersetzung der Praesidentschaftskandidaten wird dann wie in der heutigen Verfassung vorgesehen im Oktober 2019 stattfinden - also noch lange 3 Jahre her, mit oder ohne Evo – das wird sich in einem halben Jahr weisen.

Hier moechte ich eine alte politische Weisheit ins Spiel bringen: “Noch kaum wurde ein Praesident in einer wirtschaftlichen Krise wiedergewaehlt”.

Bis heute ist Bolivien fast unglaublicherweise das einzige Land Suedamerikas ohne tiefere Wirtschaftskrise und noch erstaunlicher, ohne Schwaechen, oder gar einer Abwertung unserer Waehrung Bolivianos zum US Dollar, ja sogar mit einer Aufwertung zum Euro, und vor allem zu Nachbar-Laendern, dem brasiliansichen Real (plus 70 %) und zum Argentischen Peso (plus 90 %) innert der letzten 12 Monate - und das fuer das ehemals aermste Land Suedamerikas.

“Hut-ab vor Bolivien”, wie gerade die deutsche Friedrich-Ebert-Stiftung kommentierte.

Als Volkswirtschafter ist mir klar, auch wenn das die Regierung und vor allem der sonst ausgezeichnete Wirtschaftsminister Arce nicht gerne hoert, dass kein Land der Welt sich laengerfristig einer globalen Wirtschaftskrise, schon gar nicht massiven Preiseinbruechen bei Erdoel, Gas und Mineral-Rohstoffen entziehen kann, wenn dies seine Hauptexportquellen sind.

Über 30 % weniger Einnahmen sind bereits jetzt Tatsache und werden nur noch in diesem Jahr mit einem kraeftigen “Defizit-Spending”, auch erstmals wieder hoeherer Verschuldung vom Staat kompensiert. 2016 wird dies so nicht mehr finanzierbar sein und dann gilt es dem Volk einige bittere Wahrheiten einzuschenken.

Ab April-Mai naechsten Jahres werden wir harte Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften bekommen, da schlicht keine Lohnerhoehungen mehr drinliegen und auch kein doppeltes Weihnachtgeld mehr bezahlt werden kann...

Sobald aber solche Geschenke wegfallen, kann der politische Wind rasch drehen.

Gerade deshalb, gut orchestriert, muss das Referendum moeglichst frueh im Jahre 2016 stattfinden, gleich nach dem Karneval, so dass alle noch am feiern sind oder eben im eigenen Kater eine markante wirtschaftliche Abschwaechung noch nicht spueren und so den Evo als alleinseelig machenden INKA, als einzige praesidiale Alternative fuer Bolivien auch in Zukunft sich wuenschen.

Mal sehen, aber dank Papst und Meer:

sind auf einmal einige Ampeln zurzeit auf Gruen gestellt !!

Von bolivianischen Freunden, Salsakünsten und meinem ersten Länderspiel

Sonntag, 25.10.2015

Hey Leute!

Heute möchte ich euch von den vergangenen Wochen berichten, in der neben Arbeit, einigen Sonnenbränden und so manch einer Folge „Prison Break“ in spanischer Sprache auch noch viel nicht routinemäßiges passiert ist. 

Beginnend damit, dass Nico und ich die ersten Male richtig feiern und abzappeln waren. Zusammen mit Edward, einem gemeinsamen richtig gutem Freund mit vergleichbarem Alter, seiner Freundin und seinem besten Kumpel Alvaro, ging es in die „Dona Chela“-Bar. Edward kennen wir seit unserem ersten Arbeitstag, denn zusammen sind wir mit ihm, Rosemarie und Ramiro für die „Kadex“, also dem Patientenaktenverteilen und der Patientenaufnahme im Krankenhaus zuständig. Die „Dona Chela“-Bar liegt unweit unseres Apartments und Touristen sind in dieser Bar eine absolute Seltenheit. Spürbar ist dies auch an den fairen Preisen für ein beispielsweise großes Pacena-Bier. Mit Bs. 20 (umgerechnet 2,5€), klingt und ist es zwar nicht besonders günstig, zumindest nicht im Vergleich zu den sonstigen bolivianischen Preisen, aber wie ich glaube ich schon einmal geschrieben habe, sind bereits gefiltertes Wasser und Bier hier eher ein Luxusprodukt. Ebenso ist die Musik in der Bar alles andere als westlich. Gespielt wird überwiegend  Salsa, Cumbia, Cueca und andere lateinamerikanische Musikrichtungen. Wer mich gut kennt, weiß, dass das eigentlich nicht so meins ist. Trotzdem hat es mir sehr viel Spaß gemacht und unter der Anleitung von Dimsy, der Freundin Edwards, haben Nico und ich sogar einige Salsatanzschritte gelernt und sind jetzt in der Lage die unterschiedlichen Musikrichtungen voneinander zu unterscheiden. Gerade „die Tanzkultur“ hier unterscheidet sich wesentlich von der mir Bekannten aus Deutschland. Es ist viel weniger Scham, Scheu und Steifheit im Spiel. Nachdem mir Edward um kurz vor 00:00 erzählt hat, dass es für Geburtstagskinder Bier, einen Button und einen Partyhut umsonst gibt, hielten wir es für angemessen um 00:00 groß Happy Birthday für mich, das fiktive Geburtstagskind, anzustimmen und so die gratis Mitgifte, seitens der Bar, mit offenen Armen entgegenzunehmen. Ich vermute mal, dass die Barangestellten so eine kleine Hinterlistigkeit von einem „Blanquito“ nicht erwartet hatten, schließlich wurde ich nach keinem Beweis für meinen Geburtstag gefragt. Wie aus der Pistole geschossen kamen nach 00:00 auch Trauben von überwiegend Bolivianerinnen an, um mir mit saftigen Wangenküssen zu gratulieren. Das wurde mir dann schon ein bisschen unangenehm. Haha. Ob ich ein schlechtes Gewissen habe? Nein eher nicht, schließlich habe wir dort an dem Abend so viel Bier getrunken, dass die Bar wahrscheinlich mehr eingenommen hat, als normalerweise. Aber wie ihr schon merkt: Dimsy, Edward, Alvaro, Nico und ich verstehen uns blendend. 

Eine schönen Geste finde ich auch, dass die Bolivianer vor jedem Schluck, den sie zu sich nehmen, gemeinsam Anstoßen und dabei „Salud“ sagen, das so viel heißt wie „Prost“ aber auch „Gesundheit“. 

Gestern waren wir auf dem Geburtstag vom Dimsy eingeladen. Das war eine wirklich sehr andere aber wertvolle und interessante Erfahrung. Ohne verallgemeinern zu wollen, ist auch in diesem Entwicklungsland der Familienbund wesentlich größer, enger und hat einen höheren Stellenwert als in vielen Familien Deutschlands. So wurde der Geburtstag nur mit einigen wenigen Freunden, dafür aber mit den entferntesten Neffen und Großtanten gefeiert. Es wurde viel gelacht, Live-Musik performt und getanzt. So ist es Pflicht für ein weibliches Geburtstagskind mit jedem männlichen Anwesenden eine Cueca zu tanzen. Dabei wird der erste Tanz dem Vater gewährt. Umgekehrt natürlich genau so. 

Verhältnismäßig früh ging es dann für Nico und mich wieder runter nach La Paz, denn oben in El Alto ist es besonders nachts, nicht ganz ungefährlich. Zurück in der Stadt unserer Wahl trafen wir uns noch in der Nacht mit Michelle, einer Bolivianerin mit europäischen Wurzeln, die ich auf einem Musik-Festival kennengelernt habe, und ihren Freundinnen, um mal den Mythology-Club auszuprobieren. Mit Bs. 50 (umgerechnet 6€) Eintritt, war das Erlebnis ein relativ teurer Spaß und sich für viele Bolivianer kaum regelmäßig zu leisten. Trotzdem war es schön mal wieder „westliche“ Dance-Musik zu hören. Was ich bevorzuge? Die alt bekannte oder die neu erlernte Tanz-Musik? Schwer zu sagen, aber unglücklich bin ich mit den Genres House, Techno und Elektro auf keinen Fall ;)

Neben der „Fiesta“ kam der Sport jedoch auch nicht zu kurz. Zumindest das Zuschauen. Für unter 10 € haben Nico und ich uns Karten für das erste WM-2018-Qualifikationsländerspiel der bolivianischen Nationalmannschaft gekauft, welches im höchsten internationalen Stadion der Welt in La Paz gegen das Nationalteam von Uruguay ausgetragen wurde. Zusammen mit unserem Mentor Don Victor und Angel haben wir uns das Spektakel aus der Nordkurve heraus angeguckt. Besonders beeindruckend waren nicht die fußballerischen Künste dieses Tages. sondern vielmehr die Atmosphäre bei der bolivianischen Nationalhymne beispielsweise. Wie in vielen südamerikanischen Ländern ist der Nationalstolz ziemlich groß, was sich folglich auch in dem gemeinsamen Singen des nationalen Liedes widerspiegelt. Leider verlor die bolivianische Auswahl vor einer traumhaften Kulisse und atemberaubender Stimmung mit 2:0. Zwar hat sie meiner Expertenmeinung nach über große Strecken deutlich besser gespielt, es ist aber auch keine Schande gegen den WM-Halbfinalisten von 2010 so knapp zu verlieren. Schließlich ist Uruguay mit Spielern wie Godin (Marktwert 30 Mio. €) und Muslera (Marktwert 17 Mio. €) aufgelaufen. 

Neben fünfzig Stunden Arbeit in der Woche, gibt es also auch noch genügend Zeit für diverse schöne Freizeitaktivitäten. In meinem nächsten Blogeintrag werde ich von meinem Besuch der archäologischen Aymara-Hauptstätte Tiahuanaco und einer Mountainbike-Tour auf der gefährlichsten Straße der Welt berichten. 

In diesem Sinne ganz liebe Grüße nach Deutschland!

Basti

 

 

 

Meine Wohnung, meine Arbeit in El Alto, einem Gebiet, in dem 12% aller Mädchen bereits vor ihrem 18. Geburtstag ein Kind gebären, und ein Bild auf der Titelseite in der größten Tageszeitung Boliviens.

Sonntag, 27.09.2015

Hallo Welt!

Inzwischen tritt so langsam ein wenig angenehme Ruhe und Routine ein. Beginnend damit, dass Nico und ich nun endlich unsere Wohnung beziehen konnten. Gelegen ist das kleine Apartment direkt im Zentrum von La Paz, unweit unseres vorigen Hostels. Über zwei Treppen gelangt man in den dritten Stock und schließlich über einen kleinen Terrassenbereich auch zu unserem Heim. Der Terrassenbereich dient überwiegend als Waschküche mit Wäscheleinen und einem Handwaschbecken. Waschmaschine? Fehlanzeige! Unsere Wohnung besteht genau genommen nur aus zwei Zimmern. Einem Schlaf- und Wohnzimmer, mit zwei Betten, zwei Kleiderschränken und einem riesigem Fernseher; wobei sich „riesig“ nicht etwa auf die Bildschirmgröße bezieht, sondern eher auf die Tiefe des Gerätes. Das ist echt ein alter Kasten. Aber immerhin haben wir einen! Angrenzen an das Schlaf- und Wohnzimmer tut eine offene Küche. In der Küche sind Kühlschrank, Spüle, Mikrowelle, ein Gasherd, zwei Teller, zwei Löffel, zwei Gabeln, zwei Messer, ein Topf, eine Pfanne und zwei Tassen vorhanden. Also fast alles was man braucht. Die restlichen, notwendigen Küchenutensilien werden wir uns in den nächsten Tagen zusammenkaufen. Das zweite Zimmer ist ein kleines Bad mit Waschbecken, Toilette und einer Dusche, die nicht immer so warm ist. Nach nunmehr sechs Wochen Sightseeing und Aus-Koffern-Leben ist es aber sehr schon endlich sein Domizil gefunden zu haben und von einem vollem Kühlschrank beim Aufstehen und Nachhausekommen empfangen zu werden. Bestimmt werde ich in diesem Jahr auch an meinen Kochkünsten feilen können. Heute steht eine Bolognese auf dem Plan. Mama und Flav ihr könnt stolz sein, hier lerne ich das Einkaufen auf einem Markt auch richtig schätzen. 

Auch auf meiner Arbeitsstelle habe ich mich inzwischen gut eingelebt und wurde herzlich aufgenommen. So ist es inzwischen Routine geworden, das Doctora Irma, die Chefin meiner Arbeitsstelle, Nico und mich nahezu jeden Sonntag zum Frühstück bei sich einlädt. Eine gute Möglichkeit einen Einblick in „die eine bolivianische Kultur“ zu erhaschen. 

Meine Tätigkeiten auf der Arbeit bestehen überwiegend aus zwei Bereichen. Vormittags arbeite ich meistens in einem Krankenhaus, in welchem ich mich bisher überwiegend nur mit dem Sortieren von realen Patientenakten befasse. Dieses Kardex-System entspricht in etwa dem der deutschen Krankenhäuser vor dreißig Jahren. Aber ich denke, das ist eine gute Vorbereitung aufs Leben, schließlich kann man nicht immer direkt die Früchte ernten, sondern muss oft zuerst durch Dickicht gehen, bevor man ans Ziel gelangt. Immerhin nützt diese Arbeit dem Krankenhaus viel und dafür bin ich ja schließlich auch nach Bolivien gekommen. Um zu helfen! 

Das wahre Highlight ist die Arbeit nachmittags. Meistens begleite ich dann eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter in eine der vielen Schulen in El Alto um spielerisch Stufen, Klassen oder Klassensprechergruppen über deren Rechte, Pflichten und Führungsrollen aufzuklären. Gerade der Distrikt 8, in welchem ich arbeite, ist eine Region, in der häusliche Gewalt sehr populär ist und 12% der Mädchen bereits vor ihrem 18. Geburtstag ein Kind gebären. Es ist wirklich sehr krass, wenn ein 16jähriges Mädchen mit ihrem acht Monate alten Baby vor dir steht. Mir ist kein Ort bewusst, in dem Aufklärung und Hilfe so benötigt wird und auch so dankbar empfangen wird, wie hier. Gerade als großer, europäischer „Blanquito“ mit hellen Haaren wird man hier sehr bewundert und auch gehört. Es kommt nicht selten vor, dass dann auch mal eine Schar Bolivianerinnen nach der Unterrichts- bzw. Spieleinheit Fotos machen möchte. 

In diesem Zuge kann ich auch verkündigen, dass ich an meiner Wunschuniversität in Aachen einen Medizinstudiumsplatz erhalten habe und somit, sofern ich mich nicht noch umentscheide, zum Wintersemester 2016 anfangen kann zu studieren. Aachen war für mich die erste Wahl, da diese Universität laut diversen Uni-Rankings immer einen Platz unter den ersten drei belegt und auch noch eine wunderschöne Studentenstadt ist.

Zum Schluss noch die kleine Vorgeschichte zu meinem Erst-Seiten-Auftritt in der „Razon“-Zeitung. Unser Mentor und Reisebürobesitzer Don Victor bat Nico und mich am vergangenen Freitag an einer neuen, staatlich-entwickelten City-Tour teilzunehmen. Nachdem wir uns bei der feierlichen Eröffnungszeremonie als einzige „Weiße“ ein wenig unwohl gefühlt haben wurde die Tour aber doch noch ein großer Spaß. Zum Ende der Stadtführung wurden uns dann schlagartig Häppchen und Wodkaverkostungen angeboten. Und auf einmal tauchte Fernsehen, Fotografen und Zeitungen auf. Sowohl Nico als auch ich mussten diverse Interviews geben und kommentieren wie wir die Stadtführung fanden, was uns am besten an La Paz gefällt und was uns bewegte ein Volontariat in Bolivien anzutreten. Als einzige „Weiße“ und somit als einzige touristisch Aussehende waren wir natürlich gefundenes Fressen. Schließlich landete ich auf der ersten Seiten der Tageszeitung „La Razon“ stellvertretend für die aufstrebende Tourismusbranche hier in Bolivien. Zitiert wurde ich auch diverse Male, allerdings keinmal mit meinem exakten Wortlaut. Die grammatikalischen Fehler haben sie so verändert, dass ich Nico erstmal um Hilfe bitten musste um  mein eigenes Zitat zu verstehen. 

Wie ihr bereits merkt: Hier ist alles gut und nimmt seinen Lauf…

Liebe Grüße aus dem zum Dezember immer wärmer werdenden Bolivien, zum immer kälter werdenden Deutschland! 

 

Eingang zu unserer Wohnung Titelseite der

Meine ersten Eindrücke von La Paz/El Alto. Einer Stadt der Gegensätze. Einer Stadt umgeben von 6000er Bergen. Einer Stadt in der Wasser schon bei 88Grad kocht. #funfact

Samstag, 05.09.2015

Als Nico und ich mit unseren Visa in der Tasche, die Kokablätter in der Backe bereits vom Speichel ganz humid, total übermüdet, nach elfstündiger Busfahrt, über die „Ceja“ (aufgrund der Form der Hauptstraße die Augenbraue genannt) nach La Paz einfuhren, lautete unser erster Eindruck: Uff, was ist das denn?! 

Und das nicht im positiven Sinne. Fast egal welches Haus man in La Paz exemplarisch anschaut, es ist nicht schön! Doch nachdem wir unsere Sachen im Hostel, in welchem wir stationär für den nächsten Monat unterkommen, abgeladen hatten und uns auf zur Seilbahn (dem „teleferico“) machten, fingen wir an unsere Bild über La Paz zu revidieren. Und diese Revision wurde bereits kurz nach dem Betreten des „telefericos“ um ein Vielfaches verstärkt. In einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht fielen uns fast die Augen raus, als wir das uns vorher unbekannte Ausmaß der Stadt in der Lage waren abzuschätzen. Noch nie habe ich einen so dicht besiedelten Talkessel gesehen. Egal wo man hinschaut: Häuser über Häusern, Häuser neben Häusern, Häuser, Häuser, Häuser… Von der Ferne betrachtet verschmilzt diese Masse an Lehmbauten schon fast mit der kargen, andienen Berglandschaft auf der sie erbaut wurden. Umgeben ist La Paz von schneebedeckten 6000er Gipfeln, die fast wie Grashalme aus dem Boden emporragen. 

Ebenfalls eine Besonderheit von La Paz ist, dass die reiche Bevölkerung unten im Tal wohnt und so auf atemberaubende Aussichten verzichtet, dafür aber im Durchschnitt ein paar Grad mehr auf dem Thermometer zählen kann. Die Häuser der ärmeren Bevölkerung sind im Gegensatz an den äußerst steilen Berghängen vorzufinden. Dort ist die Luft wesentlich dünner und kälter. Bis auf Rio de Janeiro ist mir keine andere Stadt bekannt, bei der die Oberschicht unten und die Unterschicht oben lebt. 

Nachdem wir uns den ersten Tag von der anstrengenden Busfahrt ausgeruht haben ging es am zweiten Tag direkt mit der Arbeit los. Gemeinsam mit unserem Mentor Don Victor, einem sympathischen Tourguide und Reiseführer, der in La Paz ansässig ist, fuhren wir mit einem Micro (ein öffentlicher Kleinbus) nach El Alto. El Alto ist eine der ärmsten, aber auch größten Städte Boliviens. Mit einer Größe von mittlerweile fast 1 Millionen Einwohnern ist sie in den letzten Jahren organisch in La Paz hineingewachsen. Dort arbeiten Nico und ich in einem sogenannten Centro de Salud. Dies ist eine Institution, die es sich zur Aufgabe gemacht hat in Schulen Präventionsveranstaltungen anzubieten, in Krankenhäusern aktiv mitzuhelfen und durch Hausbesuche bei armen Familien, die weder Strom noch fließend Wasser haben, zu helfen. Da wir als Medizinstudenten vorgestellt wurden, dürfen wir wohl wesentliche Aufgaben übernehmen, was uns immer noch etwas unangenehm ist, schließlich haben wir weder theoretische noch praktische Erfahrung im medizinischen Sektor. 

So wurden wir auch direkt in die Notaufnahme geführt, und einem Arzt vorgestellt, der gerade an einem aufgerissenem Fuß rumwerkelte. Zwischen großen Blutlarchen auf dem Boden erzählte er, was mit dem Fuß geschehen ist. Ich habe nichts verstanden, aber schon war es sicher nicht. 

Danach ging es mit einem Van weiter zu einer kleinen Bruchbude, in der der zwei jährige Johnson mit seiner Mutter und seinem großen Bruder lebt. Milton, ein Angestellter des Centro de Salud, holte ein paar Stangen aus dem Van und fing an einen kleinen, etwa 1,5 Meter hohen Kasten aufzubauen. Wir hatten keinen blassen Schimmer was das werden sollte. Schließlich stellte sicher heraus, dass Milton ein kleines Puppentheater aufbaute. 

Mit Hilfe dieses Puppentheaters unterrichtet er wöchentlich den kleinen Johnson (und unter Umständen auch seine Mutter) über wichtige Themen wie Hygiene, Krankheiten und an diesem Tag über Ernährung. So war der unheimliche Bösewicht ein ständig schokoladefressender Wolf. Der Held dagegen ein kräftig gebauter gemüseessender Hund. Durch die wöchentliche Konfrontation mit diesen Themen werden die Familien bewusst und unterbewusst geschult und auf die bestehenden Probleme aufmerksam gemacht. Das ist mal wirklich sinnvoll und viel wirksamer als die Familien einfach so zu belehren. 

Nun zum Schluss noch zur Höhe: Glücklicherweise haben Nico und ich bis auf Kopfschmerzen und bei zu schnellen Bewegungen ein bisschen Schwindelanfälle keine größeren Probleme mit der dünnen Höhenluft. Dies haben wir bestimmt der dreiwöchigen Akklimatisierung in Sucre zu verdanken. Dennoch sind die 4000 Meter gerade beim Bergauflaufen stark zu spüren. Ganz zu Schweigen vom Bergauflaufen und dabei reden oder essen. Ein absoluter Anfängerfehler. Diese Natureigenschaft ist wirklich beeindruckend, schließlich ist sie massiv spürbar, aber dennoch nicht mit den Sinnen zu erfassen. 

So kocht das Wasser hier in La Paz auch schon bei 88Grad, denn der Siedepunkt sinkt stetig mit abnehmendem Luftdruck. Das müssen wir unbedingt noch selber ausprobieren. 

In diesem Sinne nasse, etwas verregnete Grüße jenseits des Äquators aus La Paz. Teleferico ß 6000er Das Puppentheater

Über Koka, Sucre, meinen Sprachkurs und eine absolut undurchsichtige Visabürokratie

Samstag, 15.08.2015

Nach nunmehr 10 Tagen in Bolivien, davon verbrachte ich 8 in der Hauptstadt Sucre, dachte ich mir, dass es Zeit sei, von meinen Erfahrungen zu berichten. 

Beginnend bei dem wohl Befremdlichsten, dem Kauen von Kokablättern. Vorab: Die Kokablätter machen bewiesenermaßen nicht süchtig und haben auch nur im aller weitesten Sinne mit Kokain zu tun. Koka ist eine Pflanze die sich äußerlich kaum von anderen Gewächsen unterscheidet. Und doch werden seit Jahrtausenden die Wirkungen hoch gepriesen. So soll die sagenumwobene Pflanze gegen Hunger, Durst, Müdigkeit, Schmerzen und gegen die Beschwerden helfen, die durch die sehr dünne Luft in der Höhe, entstehen. Bereits am ersten morgen haben wir den ersten Kokatee getrunken, um der schon spürbar dünnen Luft in den Anden entgegenzuwirken. Meiner Meinung nach hat der Tee wesentlich gegen die Müdigkeit geholfen und die Sauerstoffaufnahme gefördert. Im Gegensatz zu einigen Mitfreiwilligen hatte ich überhaupt keine Probleme mit der Höhe. 

Am darauffolgenden Tag haben wir gemeinsam mit den Hostelangestellten und gleichzeitig unseren Betreuern in Sucre, Remy (einem Franzosen der schon lange in Bolivien lebt) und Nelson (einem Argentinier), unsere ersten eigenen Kokablätter gekauft. Unter Anleitung habe sie uns gezeigt wie man den sogenannten „Magic Mix“ herstellt. Man nehme eine dichte Plastiktüte und tue 200g Koksblätter hinein. Dann füge man einen Teelöffel Sodiumkarbonat zur Anregung der Speichelproduktion hinzu. Der Speichel löst die Wirkstoffe aus dem Koka aus. Ebenso gebe man des Geschmackes wegen eine Teelöffelspitze Stevia und einen kleinen Spritzer Likör dazu (Warum auch immer?!). Man schüttle das Ganze ordentlich durch. Und fertig ist die magische Mischung. Schließlich noch noch in die Backe schieben und kauen. 

Bereits nach 3-4 Minuten war meine rechte Backe komplett taub. Ganz so als hätte ich fünf Dolodobendan-Halstabletten im Mund. Ansonsten ist die Wirkung aber mit nichts wirklich vergleichbar. Man ist hellwach, hat einen total klaren Kopf und das Hunger- und Durstempfinden ist etwas unterdrückt, aber die Nebenwirkung ist eben der total taube Mund. Der leicht süßliche Geschmack durch das Stevia ist ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig. Sofern ich in Zukunft keine Probleme mit der andienen Höhe habe werde ich das Koka wohl nicht wieder probieren. 

Nun zu Sucre, der Hauptstadt Boliviens, in der ich bis Anfang September mit meinen Mitfreiwilligen wohne. Sucre gilt als eine der schönsten Städte Boliviens. Besonderes Merkmal der Stadt sind die unzähligen „casas blancas“ im spanischen Kolonialstil. Wirklich schön! In Sucre machen wir unseren dreiwöchigen Sprachkurs und beantragen in einem vielschichtigen Verfahren unsere Permanent-Visa. Angenehm ist, dass acht meiner Mitfreiwilligen hier schon final in ihren Wohnungskomplex einziehen konnten und so alle Anderen, die noch nicht an ihren endgültigen Einsatzorten angekommen sind, immer einen Ort zum „Rumhängen“ haben. 

Der Spanischunterricht geht schleppend voran. Monica, die eine Lehrerin ist eine Hexe, die von oben herab unterrichtet, Luis, ihr Mann, ist ein sehr sympathischer Bolivianer der mit viel Liebe und Witz den Unterricht gestaltet. Bisher hatte ich zweimal bei Monica und zweimal bei Luis Unterricht. Mal sehen was die Zukunft mit sich bringt. Wir Freiwilligen sind in drei Gruppen aus jeweils sechs Schülern eingeteilt. Ich bin in einer Gruppe mit Leah, Lena, Svenja, Karima und Franzi, die dem mittlerem Niveau zugeordnet ist. Das Niveau des Unterrichts und der Gruppe insgesamt ist sehr passend. Da wir bei Aktivitäten untereinander selbstverständlich nur deutsch sprechen verbessert sich unser Spanisch aber leider nicht ganz so schnell wie erhofft. 

Das Verfahren zum Erhalten der Permanent-Visa ist ein reines Hinundherrennen zwischen Interpol, unterschiedlichsten Polizeistationen und Copyshops… Glücklicherweise werden wir hier von dem Sucre-Mentor Don Arturo unterstützt. Denn ohne Unterstützung eines Einheimischen scheint es mir nahezu unmöglich hier ein Visum zu bekommen. Sicherlich ist es auch von Vorteil, dass Don Arturo früher ein angesehener General der bolivianischen Armee war und so fast jeden Polizeichef kennt. Korruption und Vetternwirtschaft sind kaum wegzudenken. Aller Voraussicht nach werden wir unsere Pässe mitsamt dem Visum erst Anfang Dezember wiedererhalten. Bis dahin ist es uns leider verwehrt ins Ausland zu reisen. 

Zum Schluss noch eine weitere erfreuliche Nachricht. Das Gruppenklima hier ist nach wie vor hervorragend!!! Da hat das Volunta-Vorbereitungsseminar ganze Arbeit geleistet. Wir verstehen uns untereinander super, lachen viel, unternehmen die unterschiedlichsten Aktivitäten gemeinsam. Sowohl als geschlossene Gruppe, als auch mit den Bolivianern, die wir schon kennengelernt haben. Mir geht es gut!

Bis bald, euer Basti :-)

Kokablätter, Sodiumkarboat und Stevia

Nico beim Klettern Ein Fest bei uns in der Straße Blick auf einen Teil Sucres Ich beim Wandern Sicht auf Sucre Ganz schön steil Da war es noch ein langer weg vor uns... Funkmast-Berg für Sucre

Meine Anreise und Santa Cruz de la Sierra

Sonntag, 09.08.2015

Hola a todos.

Wie ihr jetzt gerade beim Lesen feststellt bin ich heil in Bolivien angekommen. Die 24-stündige Reise war zwar geprägt durchs Warten und Rumsitzen aber im Nachhinein doch noch sehr erträglich. Besonders der Flug von Madrid nach Santa Cruz de la Sierra war ruhig und zugleich unruhig. Ruhig in dem Sinne, dass es so gut wie gar keine Turbulenzen gab und unruhig im Sinne von leider großer Reiseübelkeit meinerseits. Schweißgebadet bin ich mitten in der Nacht aufgewacht und musste sogar einmal auf der Toilette erbrechen. Dank reichlich Cola und einem Reiseübelkeitskaugummi meiner Mitfreiwilligen Leah ging es dann aber schnell wieder besser. 

Angekommen auf bolivianischen Boden zieht sich die Ambivalenz fort. Glücklicherweise sind meine beiden Gepäckstücke angekommen, leider ist eines jedoch während des Fluges bis zur Unbrauchbarkeit aufgeplatzt. 

Angenehm war das warme Willkommen am Flughafen von Santa Cruz. Durch das Klima und durch unseren Organisator und Hauptansprechpartner Max Steiner. Santa Cruz liegt in einem subtropischen Gebiet, welches trotz der aktuellen Winterjahreszeit meist Temperaturen bis 30 Grad erreicht. Kaum das Gepäck in der Jugendherberge abgeladen ging es dann mit Max und Nazira (der Mentorin für die Freiwilligen in Santa Cruz) auf einen kleinen Stadtrundgang durch Santa Cruz, der wohl größten Stadt Boliviens. Auf Grund von massiver Landflucht rund um Santa Cruz weiß man die genaue Einwohnerzahl nicht ganz genau. Geschätzt wird sie aber auf ca. 3 Millionen. Ebenso ist Santa Cruz der wirtschaftliche Motor Boliviens. Vielleicht ist es etwas vergleichbar mit Katalonien in Spanien. 

Freundlicherweise lud uns Max sowohl zum Mittagessen (in Büffetform) als auch zum frischgepressten Säften (das war der beste Maracujasaft den ich je getrunken habe) sowie zum Abendessen ein. Die bolivianischen Mahlzeiten sind, soweit ich das jetzt schon beurteilen kann, sehr fettig und plump. Mehrere Beilagen wie Kartoffeln und Reis werden zusammen verzehrt und Fleisch jeglicher Art darf bei keiner Mahlzeit fehlen. Das alles ist ein Zeichen von Wohlstand. Eine solche Kombination von Nahrungsmitteln stellt, wer mich gut kennt, nicht unbedingt ein Problem für mich dar. 

Gen Nachmittag habe ich meinen ersten Coca-Tee probiert. Geschmacklich ähnelt er grünem Tee. Die mannigfaltigen, so hoch gepriesenen Wirkungen zeigten sich mir noch nicht in aller Gänze. Ich muss also noch auf die Chance warten, Coca zusammen mit etwas Kalk (zur vermehrten Speichelbildung) im Hochland kauen zu dürfen. Dort wird es aufgrund des verminderten Sauerstoffgehaltes in der dünnen Luft aber auch zwingend notwendig.

Am Abend unserer Ankunft hatten Jonas und ich bei einer Joggingtour erste Berührungen mit „chicos bolivianos“. Im Zuge eines gemeinsamen Fussballspiels konnten wir so lernen, dass viele Bolivianer größten Respekt vor dem deutschen Fussball haben und fast jedes Championslegauespiel live verfolgen. Wen wunderts?! 

Zurzeit sitze ich in einem überaus bequemen Nachtbus Richtung Sucre. Für 500 Kilometer braucht der Bus jedoch aller Voraussicht nach 14 Stunden. Unvorstellbar in Deutschland. Aber schließlich sind in Bolivien auch nur 25% der Straßen asphaltiert. In Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens, werden wir unserer permanentes Visum beantragen und einen dreiwöchigen Sprachkurs besuchen. Darauf freue ich mich sehr. 

Nun aber muss ich mich schnell in meinen Schlafsack kuscheln denn in einer Stunde werden wir die ersten 3000er Berge überqueren, auf denen bitterböse Temperaturen von um die 0 Grad herrschen. 

In diesem Sinne warme und zugleich kalte Grüße nach Deutschland!

Euer Basti

 

 

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